Kunststoff - das unsterbliche Material

Plastik hat ein langes Leben

Umso wichtiger sind Abfallvermeidung und Recycling.

Plastik ist vielseitig, beständig und in vielen Bereichen, wie in der Medizin, in der Autoindustrie oder in technischen Geräten unverzichtbar geworden. Jedoch wird ein Drittel der in Deutschland hergestellten Kunststoffe für Einwegprodukte oder Verpackungen genutzt. Das Problem: Die Zersetzung von Plastik in der Umwelt kann bis zu einem halben Jahrtausend dauern. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland pro Kopf durchschnittlich 68 kg Verpackungsmüll eingesammelt – insgesamt 5,7 Millionen Tonnen. Mit 30 kg pro Person (insgesamt 2,5 Millionen Tonnen) hatten die sogenannten Leichtverpackungen den größten Anteil am eingesammelten VerpackungsmüllI. Nach Angaben des Umweltministeriums werden 46 % des Plastikabfalls recycelt.

Das Recycling dieser Abfälle ist kompliziert, denn die große Anzahl verschiedener Kunststoffe und das komplexe Design vieler Verpackungen erschweren die Sortierung und Verwertung. Die werkstoffliche Zusammensetzung einer Verpackung entscheidet also maßgeblich darüber, ob sie recycelt werden kann oder in einer Müllverbrennungsanlage endet. Das Recycling beginnt somit bereits bei der Produktion der Verpackung. Grundsätzlich gilt, je einheitlicher eine Verpackung stofflich zusammengesetzt ist, desto besser kann sie recycelt werden. Diese Verpackungen sind in den Sortieranlagen nämlich gut zu erkennen, zu separieren und kostengünstig zu Granulat oder Mahlgut aufzubereiten, so dass sie in neuen Produkten eingesetzt werden. Aus einer Verpackung wird nur in seltenen Fällen wieder eine neue Verpackung. Meistens wird etwas Minderwertigeres daraus hergestellt und die ursprüngliche Funktion geht dabei verloren. Bei diesem sogenannten Downcycling werden beispielsweise aus Folienabfällen keine neuen Folien, sondern Mülltonnen, Bauzaunfüße oder Paletten.

Ohne Mülltrennung kein Recycling!

Um Plastikabfälle verwerten zu können, müssen sie möglichst sortenrein getrennt werden, für viele Verbundwerkstoffe ist nur die thermische Verwertung möglich. Jedoch gilt: Nur wenn getrennt wird, kann überhaupt recycelt und die gesetzlich vorgeschriebene Recyclingquote erreicht werden. Recycling spart Energie und Rohstoffe, die dann nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen. Und weniger Rohstoffabbau bedeutet immer auch mehr Natur- und Umweltschutz, weil Ökosysteme erhalten bleiben und weniger Schadstoffe freigesetzt werden. Seit 2019 gilt in Deutschland deshalb das neue Verpackungsgesetz, das Hersteller stärker verpflichtet für die Entsorgung aufzukommen. Seit Juli 2021 sind EU-weit Einwegprodukte aus Plastik, wie z. B. Plastikbesteck und -geschirr verboten.

Sammeln und sortieren

Plastikverpackungen gehören in die gelbe Tonne oder in den gelben Sack – so viel ist klar. Doch wer übernimmt eigentlich die Entsorgung?

Die deutsche Verpackungsverordnung (VerpackV) wurde 1991 ins Leben gerufen. Um den steigenden Mengen von Verpackungsabfällen zu  begegnen, wurden die Hersteller in die Verantwortung genommen. Da die Rücknahme der verschmutzten Verpackungen im Geschäft mit vielen  Problemen verbunden wäre, wurde eine Organisation geschaffen, die die Verpackungen direkt beim Verbraucher abholt. Damit wurde ein zweites Entsorgungssystem zusätzlich zum bestehenden öffentlich-rechtlichen Abfallbeseitigungssystem aufgebaut, deshalb der Name „Dual“. Organisiert wurde die Sammlung und Sortierung vom Dualen System Deutschland (DSD), die Finanzierung erfolgt über Lizenzentgelte, welche die In-Verkehr-Bringer der Verpackungen an duale Systeme entrichten. Mittlerweile haben sich insgesamt 10 duale Systeme etabliert, die für die konkreten Entsorgungsleistungen, wie Verwertung und Transport, private Entsorger beauftragen. Das im Verbandsgebiet beauftragte Entsorgungsunternehmen finden Sie hier.

Ab in die Tonne?

Ob Tonne oder Sack – das Sammelsystem ist zwischen dualen Systemen und den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern abzustimmen. In dieser  sogenannten Abstimmungserklärung ist vereinbart, wie die Sammlung zu erfolgen hat. Im Verbandsgebiet des SBAZV ist festgelegt, dass die  Leichtverpackungen in der Regel über gelbe Säcke entsorgt werden. Gelbe Tonnen sind nur an genau definierten Anfallstellen, wie z. B. Großwohnanlagen oder im Gewerbebereich, zulässig.

Doch was ist besser? Jedes der beiden Systeme – Tonne oder Sack – hat Vor- und Nachteile. Deshalb gibt es bei den Einwohnern des Verbandsgebietes durchaus verschiedene Auffassungen zur Vorteilhaftigkeit dieses oder jenes Behältnisses.

Gelbe Tonne
Gegen eine gelbe Tonne spricht oftmals der zusätzliche Platzbedarf für die Behälter, was vor allem bei kleinen Grundstücken ein Problem darstellt und eine eingeschränkte Flexibilität bei der anfallenden Menge. Für eine vier- oder noch mehrköpfige Familie ist ein 240-l-Behälter im normalen Leerungsintervall schnell zu klein. Zusätzliche gelbe Säcke als Zusatzoption gibt es dann nicht mehr, da die Verteilung dann eingestellt wird. Ein weiteres Problem ist die Fehlbefüllung der Behälter, da man den Inhalt im Behälter nicht sehen kann. Gleichzeitig ist das System der gelben Tonne deutlich teurer in der Unterhaltung als die Abfuhr von gelben Säcken. Das hängt zum einen mit den Beschaffungskosten der Behälter zusammen und zum anderen mit dem Zusatzaufwand der Behältergestellung bzw. dem Behältertausch an allen an die Abfallentsorgung angeschlossenen Grundstücken. Eine Mischlösung – Tonne und Sack – ist besonders unwirtschaftlich, da zusätzlich zur Behälterlogistik alle Vertriebsstellen für gelbe Säcke noch erhalten bleiben müssten. Auch die Annahme, die Einführung der gelben Tonne würde zur Ressourcenschonung beitragen, da Kunststoffsäcke eingespart werden, wird wohl eher nicht zutreffen, da die meisten Haushalte die anfallenden Verpackungen erst in einem Kunststoffbeutel sammeln und anschließend in den zur Verfügung stehenden Tonnen entsorgen werden.
Einen großen Vorteil bieten die gelben Tonnen vor allem bei der Bereitstellung, da diese im Gegensatz zu den gelben Säcken weder vom Wind weggeweht noch von Wildtieren aufgerissen werden können.

Gelber Sack
Größter Vorteil der gelben Säcke für den Bürger ist ihre Flexibilität bezüglich Lagerung und Mengenanfall – jeder kann so viele Säcke bereitstellen, wie er für die Entsorgung seiner Verpackungsabfälle benötigt. Einer falschen Befüllung mit anderen Abfällen sind beim gelben Sack durch die eingeschränkte Reißfestigkeit und Transparenz Grenzen gesetzt.
Größter Nachteil ist die Reißfestigkeit der Säcke, die gern von Krähen, Waschbären und anderen Wildtieren aufgerissen oder vom Wind weggeweht werden.

Ihre Meinung ist gefragt

Im Laufe des Jahres 2022 findet die neue Ausschreibung zur Sammlung der Leichtverpackungen für die Jahre 2023 bis 2025 durch die dualen Systeme statt. In dieser Ausschreibung wird vorgegeben, ob als Sammelgefäß in Zukunft Behälter oder weiterhin gelbe Säcke dienen. Der SBAZV hat gemäß Verpackungsgesetz die Möglichkeit, Einfluss auf die Sammelart der dualen Systeme zu nehmen.

Deshalb möchten wir das Meinungsbild der Bürger im Verbandsgebiet bezüglich einer möglichen Systemumstellung erfragen, denn diese würde das gesamte Verbandsgebiet mit seinen 300.000 Einwohnern betreffen. Deshalb bitten wir alle interessierten Bürger, die bisher die gelben Säcke nutzen, um eine Meinungsmitteilung, ob sie zukünftig die Verpackungen lieber über eine gelbe Tonne oder weiterhin über den gelben Sack entsorgen möchten. Bitte teilen Sie uns Ihre Meinung bis zum 31.01.2022 per E-Mail unter meinung@sbazv.de mit.

 

Fragen zum gelben Sack

Darf nur Blitzblankes in den gelben Sack?
Restentleert reicht völlig. Ist z. B. der Joghurtbecher ausgelöffelt, kann dieser im gelben Sack problemlos entsorgt werden. Ausspülen ist nicht nötig.  Wichtig: Den Aluminiumdeckel beim Joghurtbecher vor dem Einwurf komplett abtrennen!

Warum ist der gelbe Sack so dünn?
Entschieden haben das die dualen Systeme nach dem Min-Max-Prinzip: So wenig Material für so viel Leichtverpackungen wie möglich. Ein weiterer Vorteil: Die Müllwerker können auf den ersten Blick sehen, ob ein gelber Sack korrekt befüllt oder zweckentfremdet wurde.

Muss der Grüne Punkt auf der Verpackung sein, um sie im gelben Sack zu entsorgen?
Nein, der Grüne Punkt ist das Markenzeichen der „Duales System Deutschland GmbH“ – eines der insgesamt zehn dualen Systeme. Auch ohne  Grünen Punkt gehören Dosen, Tetra-Paks und Co. in den gelben Sack. Wichtig: In den gelben Sack gehören nur Verpackungen und keine anderen Kunststoffabfälle – das Kunststoffspielzeug hat darin nichts zu suchen und auch der zur Sammlung bereitgestellte Gartenstuhl wird nicht mitgenommen, da es sich hier nicht um eine Verpackung handelt.