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Solarpanel aus der Nähe
© Benjamin Jopen, Unsplash

Deponie "Markendorfer Chaussee" bei Jüterborg

Die Deponie „Markendorfer Chaussee“, heute Schäferberg, ist die höchste Erhebung im Niederen Fläming. Von 1960 bis 1994 wurde hier Müll abgelagert, heute ist der Hügel rekultiviert und dank der Graffiti-Stützwand eine kleine Sehenswürdigkeit.

 

Fläche Deponiekörper4,9 ha
Ablagerungszeitraum60 er Jahre bis 01.05.1994
Endvolumen850.000 m³

 

 

Geschichte der Deponie "Markendorfer Chaussee"

Deponie Markendorfer Chaussee bei Jüterborg aus der Vogelperspektive © Südbrandenburgischer Abfallzweckverband (SBAZV)

Die Deponie "Markendorfer Chaussee" am Fuße des Niederen Fläming bei Jüterbog ist die höchste Erhebung weit und breit. Seit Anfang der sechziger Jahre wurde das Loch am Rande der Chaussee nach Markendorf als Müllkippe genutzt und der gesamte Unrat aus Jüterbog und den umliegenden Orten dort abgelagert. Als das Loch voll, der Müll aber längst nicht alle war, begann ein Berg zu wachsen und erreichte die stolze Höhe von 134 Metern über dem Meeresspiegel. Im Jahre 1994, rund 850.000 m³ Müll waren angehäuft, war dann Schluss. Danach wurde der Abfall aus der Region auf der Deponie in Luckenwalde entsorgt.

Kuriose Sehenswürdigkeit

Da die Deponie direkt an der Straße zwischen Jüterbog und Markendorf liegt, musste eine Stützwand zum Schutz der Straße errichtet werden. Die ursprünglich weiße Wand erhielt Ende 2004 eine wunderschöne, farbenfrohe Graffiti-Gestaltung und präsentiert sich nun als eine kuriose Sehenswürdigkeit des Verbandsgebietes.

Namensgebung

Für gewöhnlich erhalten nur Berge und Hügel einen Namen, die von der Natur geschaffen wurden. Diese Ehre wurde auch der Deponie „Markendorfer Chaussee“ zuteil. Der Heimatverein Jüterboger Land berief eine achtköpfige Jury ein, die alle Namensvorschläge begutachtete und schließlich zu einer Entscheidung kam: Mit einem knappen Vorsprung konnte sich der „Schäferberg“ vor „Flämingkuppe“ und „Markendorfer Berg“ durchsetzen. Die offizielle Namenstaufe fand am 28.09.2008 statt. Der Schäferberg hat auch sein „Namensschild“ bekommen: Der SBAZV stellte einen großen Stein zur Verfügung, der vom Heimatverein Jüterboger Land mit einer Inschrift versehen und anschließend auf dem Gipfel platziert wurde.

Maßnahmen zur Sicherung und Rekultivierung

Abdeckung der Deponie Markendorfer Chaussee bei Jüterbog © Südbrandenburgischer Abfallzweckverband (SBAZV)
  • Oberflächenabdichtung durch Kapillarsperre mit Wasserhaushaltsschicht
  • Gasproduktion von < 4 l/m²h, Vorhaltung von 4 Gasbrunnen zur Beobachtung und optionalen oder temporären Absaugung

Um den Abfallberg abzudecken und die Deponie endgültig zu schließen, wurde hier erstmals im Land Brandenburg eine alternative Methode zur Sicherung und Rekultivierung angewendet. Statt dem üblichen Abdecken mit Kunststoffdichtungsbahnen erfolgte ein Abdichten der Deponie mit verschiedenen Sandschichten.

1. Bauabschnitt - Profilierung der Deponie

Januar 2003 - Mai 2003

Um ein einheitliches Gefälle herzustellen, begann zuerst die Profilierung der Deponie - rund 50.000 m³ Abfall mussten dabei bewegt werden. Danach wurde die Deponie begradigt und mit einer Ausgleichsschicht abgedeckt.

2. Bauabschnitt - Oberflächenabdeckung mit Kapillarsperrensystem

Juni 2003 - Juni 2004

Als eigentliche Deckschicht wurde eine sogenannte Kapillarsperre - bestehend aus Sand und Kies aufgebracht - die das Eindringen von Regenwasser verhindert, so dass keine Verunreinigungen ins Grundwasser eindringen. Durch dieses Dichtungssystem wird das Regenwasser zum Rand des Abfallberges geleitet und in einem Graben rund um die Deponie in ein Versickerungsbecken geführt.

Funktionsweise der Kapillarsperre

Eine Kapillarsperre besteht im wesentlichen aus zwei Lagen - der oben liegenden Kapillarschicht aus Sand und dem darunter liegenden Kapillarblock aus gröberem Material, z.B. Kies. 

Wasser hat aufgrund seiner Oberflächenspannung die Eigenschaft, in den Kapillaren poröser Medien aufzusteigen. Durch die physikalischen Eigenschaften der verschiedenen Materialien wird das Wasser innerhalb der Kapillarschicht auf Grund des Gefälles zum Deponiefuß geführt und dort in die vorhandenen Entwässerungsgräben geleitet. Um diesen Effekt zu erzielen, muss ein deutlicher Sprung der Porengröße an der Schichtgrenze Kapillarschicht / Kapillarblock vorhanden sein.

In den Entwässerungsgräben befinden sich verschweißte Kunststoffdichtungsbahnen, über die das Wasser zum Versickerungsbecken fließt.

Viel Geld wird hier im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand bzw. in den Müll investiert. Von der Europäischen Union mit 49 % gefördert, kostet die gesamte Maßnahme rund 2,5 Millionen €. Dieses Abdeckungssystem ist allerdings über 20 % kostengünstiger und langfristig wirksamer als die herkömmliche Art der Sicherung von Deponien mit Kunststoffdichtungsbahnen.