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Solarpanel aus der Nähe
© Benjamin Jopen, Unsplash

Deponie Senzig

Die Deponie Senzig hat im Laufe der Zeit zahlreiche Entwicklungen durchlaufen: vom geordneten Einbau der Abfälle bis zur Nachnutzung für Energiegewinnung. Auf dieser Seite werden die Sicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen, die Umrüstung auf Schwachgasbetrieb sowie die Installation einer Photovoltaikanlage vorgestellt.

 

Fläche Deponiekörperca. 11,3 ha
Ablagerungszeitraum1964 bis 30.12.2002
Endvolumen1,6 Mio m³

 

Geschichte der Deponie Senzig

Von der Kiesgrube zur Mülldeponie

Die Siedlungsabfalldeponie in Senzig bei Königs Wusterhausen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Auf der heutigen Deponiefläche wurde vom Beginn dieses Jahrhunderts an bis 1965 Kies und Sand abgebaut. Der letzte abbaubetreibende Grubenbesitzer war das Kalksandsteinwerk in Niederlehme. In der Zeit von 1964 bis 1976 wurden auf der Deponie Abfälle aus Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben aus dem gesamten Altkreis Königs Wusterhausen in einem geschätzten Volumen von 180.000 m³ verbracht. Seit 1977 begann man mit dem Betrieb als "geordnete Deponie". 

Mit der Erarbeitung der Deponieordnung wurden die Bedingungen für die Einhaltung des Arbeits- und Brandschutzes sowie für die Verhinderung der Ungezieferverbreitung geschaffen. Die geplanten Maßnahmen wurden jedoch größtenteils nicht umgesetzt. 

Geordneter Einbau der Abfälle

Ab 1991 wurde unter Verantwortung des ehemaligen Landkreises Königs Wusterhausen und der AWU Wildau GmbH mit dem geordneten Einbau begonnen, d.h., es wurden nur noch zugelassene Siedlungsabfälle kontrolliert und entsprechend abfallrechtlicher und technischer Vorschriften eingebaut. Industrielle Abfälle wurden sukzessive von der Ablagerung ausgeschlossen. Behördliche Auflagen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen (Lärm, Luft, Staub, Geruch, Verwehungen, Ungeziefer) sowie zur ordnungsgemäßen Ablagerung der Abfälle wurden umgesetzt. 

Ab 1993 erfolgte die Verwiegung der angelieferten Abfallmengen und der Einsatz eines Kompaktors zur Verdichtung des Abfalls.

SBAZV wird Eigentümer der Deponie

Am 01.05.1998 wurde der SBAZV Eigentümer der Deponie Senzig. Er beauftragte die AWU Wildau GmbH mit der Bewirtschaftung der Deponie, demnach war die AWU somit zuständig für die ordnungsgemäße Abfallannahme und den Einbau der Abfälle bis zur Schließung der Deponie am 31.12.02.

Maßnahmen zur Sicherung und Rekultivierung

Damit aus der ehemaligen Deponie ein geschützter, nachhaltig nutzbarer Ort mit Energiegewinnung aus Schwachgas und Photovoltaik wird, werden umfassende Sicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen durchgeführt. Deponiegase werden kontrolliert über den neuen Schwachgasbetrieb abgeführt, die Stabilität des Geländes gesichert und die Fläche ökologisch aufgewertet.

  • Oberflächenabdichtung zur Minimierung des Eintrags von Niederschlagswässern in den Deponiekörper
  • Dichtungskontrollsystem zur Überwachung der Dichtwirkung und Lokalisierung möglicher Leckagen
  • Ableitung der Wässer vom Deponiekörper in Richtung Grundwasserabstrom
  • Fassung, Ableitung und energetische Verwertung des Deponiegases
  • Einbindung der Deponie in das Landschaftsbild durch geeignete Profilierung
  • Rekultivierung sowie Sichtschutz- und Aufforstungspflanzung im Randbereich
  • Langzeitüberwachung und Pflege der Anlage nach Abschluss der Baumaßnahmen

(Dieses Projekt wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.)

Deponie Senzig aus der Vogelperspektive. Oberflächenabdichtung zur Minimierung des Eintrags von Niederschlagswässern in den Deponiekörper Solaranlage in Senzig aus der Vogelperspektive

Oberflächenabdichtung

Die Oberflächenabdichtung der Deponie Senzig erfolgte mittels einer Kunststoffdichtungsbahn in Kombination mit einem geoelektrischem Dichtungskontrollsystem (DKS). Diese Abdichtungsvariante ermöglicht die Kontrolle der Dichtung und wird den besonderen Bedingungen einer Altdeponie (Setzungen) besser gerecht. Bei Bedarf können über dieses Überwachungssystem punktuelle und zielgenauere Reparaturen ausgeführt werden.

Bauverlauf

Nach dem Baubeginn im April 2005 erfolgten die Profilierungsarbeiten bis Juni 2005. Hierbei wurden 70.000 m³ Abfall umgelagert. Infolge günstiger Witterung konnten bereits im Spätherbst 2005 die Maßnahmen zur Herstellung der Oberflächenabdichtung (Aufbringen der Gasdrän- und Ausgleichsschicht sowie der Kunststoffdichtungsbahn einschließlich DKS), der Entgasungsanlage und des größten Teils des Entwässerungssystems abgeschlossen werden.

Die Entgasung der Deponie erfolgt aktiv, d.h. das Deponiegas wird über Gasbrunnen abgesaugt und anschließenden zur energetischen Verwertung einer Verdichterstation mit Blockheizkraftwerk zugeführt. Für die Entgasungsanlage wurden 25 Gasbrunnen, 4.000 m Sammelleitungen, Gassammelstationen sowie die Kondensatfassung gebaut. Im Dezember 2005 wurde dann die Schutzentgasung errichtet, die der Absaugung des Gases bis zur Inbetriebnahme der endgültigen Fackel diente.

Im Frühjahr 2006 erhielt die frühere Mülldeponie nach und nach eine ansehnliche, schon klar erkennbare, neue Oberflächenkontur. Das Auftragen des Oberbodens der Rekultivierungsschicht begann im März 2006. Hierfür wurden ca. 100.000 m³ Boden angeliefert. Die komplette Fertigstellung aller Sicherungsmaßnahmen konnte dann im Juli nach offizieller Abnahme gemeldet werden. Die dabei noch festgelegten Restarbeiten wurden im September ausgeführt. 

Umrüstung auf Schwachgasbetrieb

Vom Aktiv- zum Schwachgasbetrieb mit Fackel

Auf der Deponie „Senzig“ bei Königs Wusterhausen wird seit 2005 das durch mikrobiellen Abbau organischer Abfälle entstehende Deponiegas (Gemisch aus Methan, Kohlendioxid und Stickstoff) mithilfe einer aktiven Gasfassung abgesaugt und einer energetischen Verwertung zugeführt. Insgesamt wurden bisher ca. 9.439.911 m³ Deponiegas gefasst und im BHKW verstromt bzw. in der Fackel schadlos beseitigt.

Im Laufe der Jahre hat der mikrobielle Abbau im Deponiekörper den Anteil an organischen Stoffen sowie den Feuchtegehalt im Abfall soweit reduziert, dass zeitweise nur noch Methanwerte von unter 36,1 % erreicht wurden. Diese Gasqualität reicht für den Betrieb einer herkömmlichen Fackelanlage nicht mehr aus. Die auf der Deponie installierte konventionelle Gasfackel ist mit einer Feuerungswärmeleistung (FWL) von 5.000 kW deutlich zu groß und kann nur mit mindestens 40 % CH4 TA Luft-konform betrieben werden. Unterhalb dieses Methangehalts zündet die Fackel nicht mehr und kann daher auch nicht mehr gestartet werden. Gleichzeitig ist auch der Gasvolumenstrom insgesamt soweit zurückgegangen, dass die Rohrleitungen und die Gasverdichterstation (GVS) überdimensioniert sind, was Nachteile bei der Betriebsführung mit sich bringt.

Im Ergebnis wurde daher ein Umbau der Entgasungsanlage durchgeführt, der eine Anpassung des Rohrsystems an die verringerte Durchsatzleistung, die Beschaffung und Installation einer schwachgasfähigen Fackelanlage sowie die Modifizierung der E-MSR-Technik gemäß den geänderten Parametern beinhaltet. Dazu zählt auch die Anpassung der Permanentanalyse für Schwachgase um den gesetzlich geforderten Sicherheitsanforderungen auch unter den neuen Bedingungen zu genügen.

Die Maßnahme ist als unwesentliche Änderung genehmigungsfrei und wurde beim Landesamt für Umwelt (LfU) als der zuständigen Behörde angezeigt. Da der Umbau klimagünstige Auswirkungen hat, erfolgt eine Förderung aus Mitteln des EFRE-Fonds der EU.

Auf Grund der zurückgegangenen Deponiegasmenge wird 2020 die Aktiventgasung der Deponie auf Schwachgasbetrieb mit Installation einer Schwachgasfackel umgestellt. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Landes Brandenburg gefördert.

Logo des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung
Solaranlage in Senzig aus der Vogelperspektive © Südbrandenburgischer Abfallzweckverband (SBAZV)

Photovoltaikanlagen

Auf der Deponie Senzig wurde 2019 eine Photovoltaikanlage (Solarzellenanlage) mit einer Leistung von 750 kWp erreichtet. 2020 wurde diese Anlage durch eine weitere Photovoltaikanlage mit der gleichen Leistung ergänzt. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Stromversorgungsnetz eingespeist. Mit der Errichtung dieser Solarzellenanlagen gelingt eine sinnvolle Nachnutzung der geschlossenen Deponie und stellt gleichzeitig einen Beitrag zur Erzeugung regenerativer Energien sowie zur Ressourcenschonung dar.